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Aufbruch in neue Gefilde

Seit über einer Woche sind wir nun schon hier in Mingecevir und jeder der sich fragt, wo Aserbaidschan eigentlich liegt und wie man dazu kommt hier zu trainieren, dem geht es genauso wie mir...

Letztes Jahr waren schon die Dresdner U23- Sportler und die Junioren zum Training hier vor Ort aber ich wollte mich einfach mal überraschen lassen, da sich meine allgemeine Begeisterung doch eher in Grenzen hielt.

Der Flug dauerte um die 6h und die Reise ging nach Baku, was wahrscheinlich im Normalfall eher ein Begriff ist. Dort war unsere Fahrt jedoch leider noch nicht beendet und es ging in den Bus. Kofferraum war zu vernachlässigen und so wurde kurzerhand eine Sitzbank umfunktioniert und die Koffer platziert- eine Vollbremsung wäre sicherlich ungünstig gewesen aber danach fanden auf den verbliebenen zehn Plätzen alle genügend Platz. Nach vier Stunden auf einer schnurgeraden Autobahn erreichten wir dann doch etwas gerädert das Hotel. Der erste Eindruck war definitiv positiv.

Da wir erst nach Mitternacht angekommen sind, hieß es am nächsten Morgen ausschlafen, gemütlich frühstücken und dann die Boote einstellen. Boote konnten wir leider keine mitnehmen aber es ist eine gute Flotte Empacher vor Ort, sodass keiner große Einschränkungen hinnehmen muss.

Der Junioren- Trainer, Herr Hauffe, war hier in Aserbaidschan jahrelang Cheftrainer und hat die einzigartige Anlage mit aufgebaut, kannte sich deswegen aus und konnte uns alles vermitteln. Der normale Transport in ein Wassertrainingslager nach Italien, Spanien oder Portugal wäre nur mit mindestens genauso viel Aufwand möglich gewesen und dann wären die Bedingungen vor Ort bei weitem nicht so gut gewesen.

Wir stellten also unsere Boote vernünftig ein, was auch um die drei Stunden in Anspruch nahm und drehten eine kleine Runde auf dem Flüßchen, um zu testen ob das Eingestellte auch den Vorstellungen entspricht. Am Abend stand dann nur noch ein lockeres Fußballspiel auf dem Programm und das Trainingslager startete richtig am zweiten Tag. Wie gesagt sind die Bedingungen perfekt. Vergleichbar mit Rabenberg, nur mit 4*- Hotel, sehr gutem Essen und tollem Ruderrevier. Der normale Tagesablauf ist: 06:40 Uhr: Imbiss 07:00 UHr: Rudern/ Kraft 09:30 Uhr: Frühstück 11:00 Uhr: Spiel/ Schwimmen/ Gymnastik 12:30 Uhr: Mittag 15:00 UHr: Kaffee und Kuchen 15:30 Uhr: Rudern 18:00 UHr: Schwimmen und Sauna 19:30 Uhr: Abendessen

Der Trainingskomplex ist Wahnsinn. Vom Hotel sprach ich schon. Mehrere Bootshallen, Ergometerraum, zwei Krafträume, eine 50m- Schwimmhalle, eine riesige Turnhalle, Wäscherei und zusätzliche Waschmaschinen, Tischtennis, Tennis, Sauna, Massage. Normalerweise muss man im Trainingslager an vielen Stellen Kompromisse eingehen, das fällt hier völlig weg. Der Kraftraum ist perfekt ausgestattet und wir können mindestens so gut wie zu Hause trainieren. Wem der Sinn nach Sauna am Abend steht, der kann sich in einer der drei Saunen vergnügen oder auch die Regeneration durch Massage beschleunigen. Die Leute sind sehr freundlich, auch wenn die Kommunikation ohne Russisch sehr schwierig ist aber vor allem die jungen Leute sprechen auch gutes Englisch. Einladungen zum Essen, Tee oder gemeinsamen Aktivitäten sind keine Seltenheit. Ich bin definitiv begeistert von den Örtlichkeiten.

Das Training läuft auch nicht schlecht, was es jedoch wert ist? Das wissen wir wohl erst in zwei Wochen bei der Langstrecke bzw. Ende April bei der Kleinbootmeisterschaft in Krefeld. Ich denke so offen wie dieses Jahr war es schon lange nicht mehr. Aber ich bin gut vorbereitet und freue mich auf die anstehenden Herausforderungen.

Erstellt von Tim Grohmann am 19.03.2017 um 06:08 Uhr.