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02.08.2016

05:50 Uhr: Der Wecker klingelt heute früh, denn wir wollen vor dem Mittag noch zweimal Rudern gehen. Also Zähne putzen, Sachen packen und ab ins Essenszelt zum Imbiss.

06:20 Uhr: Auch früh ist schon Betrieb im Essenszelt- man glaubt es kaum! Aber irgendwie sind es nur Ruderer… sind wir denn die Einzigen, die um diese Zeit schon trainieren müssen!?

06:40 Uhr: Abfahrt zur Strecke mit dem Shuttlebus- die nächsten 50min eignen sich noch für ein kleines Schläfchen oder man genießt einfach den zwischenzeitlichen Blick aufs Meer…

08:00 Uhr: Umziehen, Tasche abgeben und Skulls zum Steg bringen- dann geht es auch schon aufs Wasser. Das Wetter ist mit Sonnenschein und 24 Grad hervorragend und windig ist es auch nicht…noch nicht… nach zwei Runden, also acht Kilometern ist das Training vorüber und es geht zum wichtigsten Teil des Tages- Frühstück.

09:00 Uhr: Frühstück im Zielhaus der Regattastrecke mit anschließendem Chill- out und gemütlich Rudern schauen…

11:00 Uhr: Zur Abwechslung mal eine Runde rudern…bei bis eben spiegelglattem Wasser aber pünktlich zum Training frischte der Wind so sehr auf, dass ab 750m bis zum Start nur noch Wellenreiten war. Ich hatte nahezu Angst baden zu gehen, was an sich auch nicht schlimm gewesen wäre, da ich eh schon klatschnass war. Zum Glück ist das Wasser hier in Rio keimfrei und sauber…äh jaa…oder so. Im Zielbereich war es dann wieder deutlich besser und nahezu glatt, weswegen ich dummerweise dachte, es sei so schnell vorbei wie es gekommen war. Also kippte ich das gesamte Wasser aus dem Boot und fuhr wieder zum Start, in der Hoffnung das es wieder vorbei sein würde. Naja, es war nicht wirklich besser, bzw. eigentlich überhaupt nicht. Mit Anbruch der 500m- Marke schwabbten die Wellen wieder über den Ausleger und ein Geradeaus- Fahren in der Bahn war unmöglich, für den Doppelvierer der mich gerade überholte, sicher ein lustiges Bild…oben angekommen hieß es wieder möglichst ohne zu kentern wenden, was mir glücklicherweise auch gelang und möglichst ohne Schwäche zu zeigen weiterzufahren. Die Belastung, die auf dem Plan stand musste ich mir leider schenken und im Anschluss auf dem Ergometer nachholen, denn noch einmal wollte ich nicht mein Boot ausleeren und hoffe, dass der Wind nachgelassen hat… Im Anschluss folgte natürlich noch die Ruderoutine… Boot waschen, Skulls abwischen und desinfizieren, Hände desinfizieren und Körper mit Duschen desinfizieren…

12:30 Uhr: Abfahrt zum Olympischen Dorf mit anschließendem Mittagessen. Danach war der Tag für uns auch eigentlich schon vorbei und es folgten nur noch ein wenig Ablenkung im Gaming-Zelt, viel Essen und Schlafen…

Erstellt von Tim Grohmann am 08.08.2016 um 02:09 Uhr.


01.08.2016

Der Tag begann für uns recht entspannt, denn es war vorgesehen den Shuttle 08:40 Uhr zur Strecke zu nehmen und vorher zu frühstücken, sodass wir gemütlich halb acht aufgestanden sind. Wir packten also unsere Sachen zum Rudern und machten uns auf den Weg ins Essenszelt zum Frühstück. Als wir das Haus verließen wunderten wir uns schon kurz über den recht starken Wind aber dachten uns nichts weiter dabei. Den Frauendoppelzweier trafen wir unterwegs und sie überbrachten uns die Nachricht, dass die Strecke gesperrt sei- aufgrund des starken Windes… Die Freude hielt sich jedoch in Grenzen. Eine neue Entscheidung sollte um acht getroffen aber da wurde das Rudern auch recht schnell gecancelt mit der Nachricht, dass um 10 neu entschieden werden sollte. Also frühstückten wir in Ruhe und wollten dann noch kurz ins Spielezelt, erlebten allerdings eine Enttäuschung, da es erst zehn Uhr öffnete.

Leider wurde es an diesem Tag nichts mehr mit Rudern und so sollte es aufs Ergo gehen. Also ab in Richtung Fitnesszelt. Den Plan hatten jedoch viele, weswegen die Ergos belegt waren… alternatives Training war dann Laufen, Stepper oder Rad. Ich entschied mich fürs Laufen und somit war das Training für diesen Tag auch mit einem Häkchen versehen. Nach dem Mittagessen chillten wir noch kurz im Zimmer, bevor wir dann Richtung Strand aufbrechen wollten. Durch allerlei Horrorgeschichten wussten wir nicht recht was wir anziehen sollten und so wurde es recht schlicht mit grau in grau, nur Philipp und Ich waren waghalsig und zogen die orangene Hose der Einkleidung an.

Wir liefen dann gemeinsam mit dem leichten Vierer ohne und Trainern zum Shuttlebereich und nach weniger als einer Stunde befanden wir uns in der Nähe vom Deutschen Haus an einem traumhaften Strand mit tollen Wellen. Leider durften wir nicht baden gehen, da die Rennen noch nicht vorüber sind und die Wellen sicheres Baden auch unmöglich machten. Also genossen wir einfach die Umgebung und vergaßen alles um uns herum. Die Volunteers vom Deutschen Haus hatten auch gerade Pause vom Aufbau und so wurden wir auch direkt freudig begrüßt.

Nach weniger als zwei Stunden mussten wir uns leider auch schon wieder auf den Heimweg machen und begegneten vorher noch einer halben Meter langen Schlange, die sich vor uns lang schlängelte. Unsere Sicherheitsbedenken waren zumindest an diesem Tag völlig unbegründet und somit war es fast ärgerlich keine richtige Kamera dabei gehabt zu haben. Die Rückfahrt war auch noch recht abenteuerlich, da unser Bus nicht so richtig Lust hatte zu arbeiten und der Busfahrer das Navi nicht bedienen konnte. Das Ende vom Lied war das Fahren in eine Einbahnstraße- in die falsche Richtung versteht sich- und ein qualmender Bus 5km vom Dorf entfernt. Laufen war natürlich aufgrund der Sicherheit und mit FlipFlops keine Option…

Als wir das Dorf wieder erreichten freuten wir uns über eine funktionierende Dusche, da es am Mittag auch noch einen Wasserrohrbruch gab und nichts mehr lief, sodass wir im Pool „duschen“ mussten, was natürlich schon hart war bei 30 Grad und Sonnenschein… aber die unteren Etagen hatten nicht ganz so viel Glück, denn dort tropfte es ununterbrochen… am Anreisetag wurde uns gesagt, dass es zur Zeit 2-3 Wasserschäden am Tag gibt, von daher war das auch nicht ganz verwunderlich, sondern eher das es bis dahin noch nicht passiert war. Vor dem Abendessen gönnten wir uns noch eine Stunde Game- Center und fuhren fleißig Mario Kart gegeneinander. Das Abendessen gegen um acht war dann leider völlig überfüllt, sodass wir genervt wieder ins Spielezelt gingen. Eine Sportgröße gab es an diesem Abend jedoch zu bestaunen, denn Novak Djokovic zeigte sich in der Mensa und ließ auch fleißig Fotos machen. Gegen halb 10 versuchten wir es noch einmal mit Abendessen und es war auch ein wenig leerer aber immer noch voll. Wir trafen auch einige Schwimmer, die sich kurz danach noch für ihr Training fertig machen mussten, was halb 11 begann, aufgrund der späten Wettkampfzeiten. Unser Tag war dann doch ziemlich lang und wir fielen halbtot ins Bett und konnten quasi ausschlafen, denn um 6 sollte der Wecker klingeln…

Erstellt von Tim Grohmann am 04.08.2016 um 02:44 Uhr.


31.07.2016

Der frühe Vogel fängt den Wurm? Irgendwie so ging der Spruch… der Wecker klingelte dementsprechend früh und kurz nach 6 machten wir uns schon auf den Weg zum Frühstück, bzw. Imbiss. In der ersten Einheit standen entspannte 12km auf dem Plan und in der zweiten nach einem ausgiebigen Frühstück und kurzer Verdauungspause noch einmal 8km mit ein paar schnellen Schlägen. Der Ausblick beim Frühstück war schon sehr schön. Anderen beim Rudern zusehend kann man sich den Bauch vollschlagen und nebenbei die Sonne und den Ausblick auf die Christusstatue genießen. Wir hätten es definitiv schlechter treffen können…

Gegen Mittag fuhr der Shuttle dann wieder zurück zum Olympischen Dorf und die Tagesordnung war im Prinzip auch schon abgearbeitet. Jetzt stand nur noch Mittagessen, Bubu und Game- Center auf dem Plan, und natürlich Abendessen- ach und zur Regeneration Physiotherapie… Am Abend bildete sich im Essenszelt wieder eine Menschentraube und man wusste, dass da irgendein „außergewöhnlicher“ Sportler sein musste und es war Rafael Nadal. Am Abend fuhren wir noch mit dem Fahrstuhl auf das Dach unseres Hochhauses und genossen kurz die Aussicht und damit war der Tag dann auch schon vorbei…

Erstellt von Tim Grohmann am 04.08.2016 um 02:35 Uhr.


Tag 2: Erster Trainingstag

Nach einer unruhigen Nacht mit Feueralarm konnten wir heute ein bisschen ausschlafen und trafen uns erst kurz nach acht Uhr zum gemeinsamen Frühstück. Allerdings trafen sich da anscheinend ziemlich viele, denn im großen Essenszelt war es unglaublich voll und es dauerte eine Weile bis man alle seine Sache zusammen hatte. Die Auswahl zum Frühstück ist schon sehr großzügig und man kann von klassischem Frühstück mit Nudeln, Hähnchencurry bis hin zum Brötchen mit Marmelade alles essen- was zugegebenermaßen schon ungewöhnlich ist…

Halb zehn fuhren wir dann mit dem Bus in Richtung Copacabana und somit an die Strecke. Die Fahrtzeit sollte über eine Stunde betragen aber die Busse sind sehr bequem und von daher lässt sich das auch aushalten. Unser Weg führte uns vorbei an einigen Stränden und wir konnten riesige Wellen (bis zu 5m) bestaunen- baden war an diesen Stränden leider verboten aber bei den Wellen würde man sich das wohl auch sehr genau überlegen.

An der Strecke empfing uns erst einmal die Christusstatue, die hoch erhoben über der Strecke thront und über alles wacht. Doch sie half mir leider nicht beim Boot zum Sattelplatz tragen und so musste ich meinen Einer, Ausleger und Skulls alleine die 500m zum Sattelplatz tragen- danach war ich bei angenehmen 25 Grad und Sonne definitiv erwärmt.

Die Ruderstrecke, liebevoll das Lagoa Stadium genannt, lag auch relativ ruhig da und es herrscht nur die normale Thermik und somit war ganz leichter Wind von schräg achtern, heißt leichter Gegenwind von Steuerbord- also schwer… aber beim Training ist das nicht sooo dramatisch…

Was ich fast vergessen hatte, ist unsere morgendliche Routine… Zähne putzen mal ausgeklammert…nach dem Aufstehen ist vorgesehen eine dicke Schicht 50er- Sonnencreme aufzutragen, danach zum Frühstück zu gehen, um im Anschluss auf die Sonnencreme noch eine dicke Schicht Mückenspray aufzutragen. Da es Unmengen von Mücken gibt, die alle Zika übertragen und uns Sterbenskrank machen… so die Theorie… in der Praxis haben wir zum Glück noch keine einzige Mücke gesehen…

Nach dem Transport meines Einers zur Strecke baute ich ihn an und dann ging es auch schon aufs Wasser für die ersten 12km in Rio. Es war alles noch sehr schwer und träge, was sicherlich noch dem Flug geschuldet ist aber in dem kommenden Tagen sollte das auch besser werden.

Die Rückfahrt mit dem Bus war auch entspannt und dauerte nicht so lang wie erwartet. Am Nachmittag stand noch ein wenig Bewegung im Fitnesszelt auf dem Programm. Wir sollten ein wenig Krafttraining machen und das funktionierte anfangs auch ganz gut, aber es war unglaublich viel los und wenn sich die besten Athleten der Welt an einem Ort zum Sport machen treffen, dann ist das schon eindrucksvoll. Wir kamen uns am Ende ziemlich schlecht vor, da wir irgendwie nichts richtig können. Die kleinen (gefühlt) 12- jährigen Mädels aus China waren so beweglich, dass es schon beim Zusehen weh tat und der Gewichtheber aus Kasachstan hatten 270kg auf seinem Rücken und machte trotzdem entspannte Tiefkniebeuge, dazu kamen noch einige Ringer und Rugbyspieler, die alle auch eindrucksvolles Training machten, mit Kraftgeräten versteht sich und wir standen staunend da und verabschiedeten uns beizeiten zum Essen. Aber ein bisschen trainiert hatten wir natürlich auch…

Erstellt von Tim Grohmann am 01.08.2016 um 02:01 Uhr.


Olympische Spiele Rio 2016- Anreise und Tag 1

Am 28.07.2016 war es nun nach langer Zeit soweit und die Reise nach Rio stand auf dem Programm. Nach dem Trainingslager in Ratzeburg hatten wir noch einmal einen Tag in der Heimat zum genießen und am Abend des 28. ging es dann von Leipzig Richtung Frankfurt.

In Leipzig wurden wir noch freundlich verabschiedet und konnten dann gut gelaunt die Reise antreten. Die Flüge verliefen auch reibungslos und am nächsten Morgen 05 Uhr (Ortszeit Rio) landeten wir dann auf dem hiesigen Flughafen. Knappe elf Stunden dauerte der Flug von Frankfurt.

Wir hatten ja allerlei schlimme Dinge über das olympische Dorf gehört aber wir hatten ja auch erstmal einen ganzen Tag um uns ein Bild zu machen. Gegen um 9 trafen wir dann auch in unserem Zu Hause für die nächsten Wochen ein und staunten erstmal nicht schlecht, als wir die Ansammlung von Hochhäusern sahen, die alle in den jeweiligen Nationalfarben verziert sind und waren.

Wir durften dann erst einmal die Zimmer beziehen und ich war mit dem Doppelvierer und zwei Ruderern aus dem Vierer ohne in einem Appartement. Am Anfang mit Zustellbett und ohne "eigenes Reich" aber schließlich verließen uns die Riemer und ich konnte ein Zimmer nehmen und wir sind nun zu fünft in einer Wohnung, was sich gut aushalten lässt. Die Einrichtung ist einfach und dürftig aber immerhin funktioniert alles. Die Bäder sind auch mehr als einfach gehalten und warmes Wasser ist Mangelware aber bei einem Winter mit 25 Grad ist das auch in Ordnung aber trotzdem gewöhnungsbedürftig. Die Zustände waren auch schon anders hier. Drei Wochen vor Beginn der Spiele arbeiteten hier im Dorf 55 Handwerker und die Zahl wurde bis vor drei Tagen auf 550 erhöht, damit man alles fertigbekam aber damit stieg leider auch der Vandalismus und teilweise wurden Kloschüsseln direkt nach dem Einbau wieder entfernt und so kam dann auch der desaströse Zustand zustande.

Gestern wurden wir mehrfach vom Feueralarm hochgeschreckt, waren jedoch nur beim ersten Mal beunruhigt, denn es war immer nur Fehlalarm. Allerdings war es direkt ggü. bei den Australiern einmal kein Fehlalarm und die Feuerwehr musste einrücken, auch wenn es am Ende nur ein Zigarettenstummel war... Heute Nacht halb 4 standen wir auch im Bett und eilten in Trance nach unten, nachdem der Alarm schon fünf Minuten in Gang war- und was war los? Richtig- Fehlalarm...

Erstellt von Tim Grohmann am 30.07.2016 um 21:18 Uhr.