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07.08.2016-in der Schwebe

In einem gewissen Schockzustand befanden sich alle nach dem dritten Platz im Vorlauf und somit dem verpassten direkten Einzug ins Finale. Um die Gedanken wieder zu sammeln und wieder ein bisschen zur Ruhe zu kommen, konnten wir heute zunächst einmal ausschlafen. Vor um 9 wollte keiner aufstehen oder zum Frühstück gehen. Durch das viele frühe Aufstehen der letzten Tage konnte ich allerdings schon gg. Halb acht nicht mehr schlafen und musste mir die Zeit mit Lesen und Berichte schreiben vertreiben… Vor dem Frühstück kam dann schon die Nachricht, dass die Rennen heute ausfallen würden und die Strecke wegen zu starken Windes gesperrt sei. Einige Boote waren schon auf Tauchfahrt gegangen und viele mussten nach einer dreiviertel Runde wieder anlegen und das Training abbrechen, weil sie sonst untergegangen wären. Die Olympiasiegerin im Einer von London kenterte beim Training und bei der Rettung durch die Sicherheitskräfte brach ihr Boot entzwei. Sie hat nun noch ein bisschen Arbeit vor sich und muss sich ein Ersatzboot neu einstellen und kann nur hoffen, dass es passt. Da es selbst bei neuen Booten große Unterschiede und die richtige Einstellung zu finden einige Zeit in Anspruch nehmen kann.

Aber nun zurück zu uns. Als die offizielle Nachricht kam, sollten wir natürlich möglichst schnell ins Fitnesszelt und uns aufs Ergo schwingen aber wie das so ist, haben einige andere auch diese Ideen und deswegen waren die Ergos belegt. Ich habe mich dann aufs Laufband begeben und bin dort eine Stunde gelaufen. Immerhin ist das auch für den guten Zweck, da immer eine Uhr mitläuft und ab einer bestimmten Meterzahl gibt es ein Fitnessgerät für Fitnessstudios in Rio kostenlos zur Verfügung gestellt und so tut man praktisch durch seinen täglichen Sport noch etwas Gutes für die Bevölkerung von Rio. Wenn es dann ankommt und nicht wieder irgendwo im Boden versickert, wie Geld für Kläranlagen oder ähnliches… aber das ist wohl ein anderes Thema.

Nach dem Ergo blieb dann also gar nicht mehr viel Zeit, denn es kursierten schon Gerüchte, dass der Wind nachgelassen haben soll und so stand der Plan 14:40 Uhr mit dem Shuttle an die Strecke zu fahren und noch ein wenig zu Rudern. Die Mittagspause wurde dadurch natürlich gestrichen… Die Busfahrt dauerte durch das Straßenradrennen der Damen dann leider auch länger als geplant und der Himmel verdunkelte sich auch stetig, sodass wir uns nur zwei Runden auf dem Wasser bewegten und dann mit dem letzten Bus 17:30 Uhr wieder Richtung Dorf verschwanden. Die Bedingungen waren allerdings wirklich gut ruderbar geworden.

Beim Essen war dann die Stimmung wieder recht angespannt, die jeder schon in Gedanken beim Rennen war und deswegen gestaltete sich das Abendessen auch recht kurz und ruhig…

Dummerweise wurde uns noch die Nachricht eröffnet, dass es am nächsten Tag schon 5:10 Uhr mit dem Shuttle an die Strecke gehen sollte. Was definitiv vorm Aufstehen ist. Aber wenn 08:30 Uhr schon Rennen ist, muss man auch mal in den sauren Apfel beißen und ein Ende ist ja mittlerweile auch schon absehbar…

Erstellt von Tim Grohmann am 09.08.2016 um 01:49 Uhr.


06.08.2016- Vorlauf Männerdoppelvierer

05:15 Uhr: Der Wecker klingelte ja schon wieder so zeitig… aber was solls, in Deutschland ist es ja schließlich schon nach um 10 und da kann man ja auch so langsam mal aufstehen, immer dieses Ausschlafen! Nach einem kurzen Imbiss ging es dann auch schon in den Bus… 05:40 Uhr: Busfahrt zur Strecke. Man könnte meinen es sei früh, denn im Bus befinden sich nur schlafende Menschen. Aber zumindest verspricht es ein schöner Tag zu werden, denn der Himmel ist blau und die Temperaturen mehr als angenehm.

07:00 Uhr: Zwei Runden Training stehen auf dem Plan, also entspannte 8km. Viel mehr Zeit zum Training bleibt auch nicht mehr und selbst wenn ich gewollt hätte, hätte ich nicht mehr fahren können, da die Strecke gesperrt wurde in Vorbereitung auf die Rennen, die 08:30 Uhr beginnen sollten. 08:30 Uhr: Frühstück an der Strecke und nebenbei Rudern schauen. Eigentlich könnte es viel besser gar nicht sein… Am Anfang waren auch noch spiegelglattes Wasser und hervorragende Ruderbedingungen. Leider änderte sich das mit dem dritten Vorlauf im Einer mehr oder weniger schlagartig und es entwickelten sich mehr und mehr perfekte Segelbedingungen. Das Ganze gipfelte eigentlich beim Männer Zweier ohne gegen 11 Uhr, als sogar ein Boot kenterte und das Ziel nicht erreichte in Folge der Bedingungen. Vor der Kenterung lagen die Serben noch auf dem dritten Rang, welcher für den direkten Einzug in die nächste Runde gereicht hätte. Schade, schade. Die Bedingungen waren schon echt mies und die Rennen richtige Wasserschlachten. Einige ungeschlagene Favoriten mussten besonders in den Einern auch Federn lassen und kassierten Niederlagen, die aber in den meisten Fällen trotzdem zum Weiterkommen reichten.

12:30 Uhr: Mit etwas Verspätung startete das Rennen des Männer- Doppelvierers aber zumindest hatten sich die Bedingungen deutlich gebessert. Ich platzierte mich im Zielbereich, um den Jungs nach dem Rennen kühle Getränke reichen zu können. Der Start funktionierte schon mäßig und die Ukrainer konnten sich direkt knapp in Front schieben aber es war nicht viel und wäre alles gut aufholbar gewesen aber der gewünschte Vortrieb wollte sich nicht so recht einstellen und so war die Platzierung an der 1000m- Marke immer noch Ukraine vor Deutschland und Estland. Die Esten schoben sich auf den folgenden 500m an die Spitze und verteidigten diese konsequent und souverän bis ins Ziel. Der Vierer war dadurch nun auf den dritten Platz zurückgefallen und konnte auch nicht auf den zweiten Platz vorfahren, der direkt fürs Finale gereicht hätte. Die Kanadier waren 250m vorm Ziel noch stark im Kommen aber zogen einen kapitalen Krebs und standen in der Folge.

Somit stand am Ende ein dritter Platz zu Buche und die Möglichkeit es im Hoffnungslauf in zwei Tagen besser zu machen…

14 Uhr: Nach 5h in der prallen Sonne und bei über 30 Grad ging es für uns Ersatzleute zurück ins Dorf. Ich hatte mich an diesem Tag so oft mit Lichtschutzfaktor 50 wie noch nie aber zumindest konnte ich mich vor Sonnenbrand schützen. Nach einem kurzen Snack im Zelt hieß es dann schnell Umziehen.

16:00 Uhr: Ein bisschen Sport tut immer gut und so ging ich noch ein bisschen aufs Laufband im Gym und dann war der Tag auch schon wieder vorbei…

Erstellt von Tim Grohmann am 08.08.2016 um 02:15 Uhr.


05.08.2016- Eröffnungsfeier?

06:30 Uhr: Warum muss eigentlich der Wecker immer schon so verdammt zeitig klingeln, wenn man den ganzen Tag Zeit hat…

07:40 Uhr: Abfahrt zur Strecke und es waren mal wieder viel zu viele Ruderer an der Haltestelle, oder zumindest mehr als angemeldet waren und so mussten wir noch auf einen weiteren Bus warten.

09:00 Uhr: 12km Training, die auch ziemlich fix vorbeigingen. Danach blieb noch ein wenig Zeit zum Entspannen, da der Vierer noch zwei Runden zu Rudern hatte, was jetzt nicht unbedingt an einer besonders guten Performance von mir lag, sondern eher an einer fehlenden Schraube an Lauritz Ausleger, wo sich wohl in der Nacht irgendjemand bedient hatte…

13:00 Uhr: Nach einer gemütlichen Busfahrt von 70min kamen wir dummerweise zeitgleich Schwimmern und Basketballern an, sodass wir an der Sicherheitskontrolle zum Dorf auch nochmal 15min warten mussten, was in der prallen Sonne und bei um die 30 Grad auch nicht sooo angenehm ist. Im Anschluss ging es direkt zum Essen und da begegneten wir Martin Kaymer zum ersten Mal. Usain Bolt kam auch mit der jamaikanischen Mannschaft zum Essen und löste wieder allerhand Gemurmel und Fotowünsche aus. Das ist schon der Wahnsinn, besonders wenn man bedenkt, dass in diesem Zelt auch nur die besten Sportler der Welt essen.

15:00 Uhr: Fototermin mit dem Deutschen Ruderverband. Man glaubt es kaum wie schwierig es ist ein vernünftiges Bild mit allen Ruderern vor den Olympischen Ringen im Dorf hinzukriegen aber nach einiger Zeit hat es dann doch funktioniert!

16:00 Uhr: Physiotherapie = Entspannungstherapie. Die Zeit als Sportler, wo man immer Physio bekommt muss man noch einmal nutzen und vor allem ist es bei Schmerzen auch immer hilfreich und ohne Schmerzen einfach nur angenehm.

17:00 Uhr: Dehnung im Riesengym. Leider direkt neben Turnerinnen, sodass wir uns noch schlechter vorkommen, als wir es normalerweise bei der Dehnung eh schon tun, aber was soll man machen? Wir müssen uns ja nun auch nicht sonderlich grazil oder nach Musik bewegen, sondern schnell, kraftvoll und effektiv. Auf dem Weg zum Fitnessstudio sahen wir schon viele Sportler und noch viel mehr Busse, die bereit standen um zur Eröffnungsfeier zu fahren. Alle waren hübsch angezogen und in freudiger Erwartung der Opening Ceremony. Wir Ruderer durften leider traditionell nicht mit zur Feier, da am nächsten Tag schon der Vorlauf startet, wir uns die Beine in den Bauch stehen würden, die Krankheitsgefahr zu hoch, man Spaß haben könnte oder perfekt auf die Spiele eingestimmt wäre, ach nee die letzten beiden Punkte waren aus der Luft gegriffen und völliger Quatsch…also einfach vergessen…

18:30 Uhr: Unsere typische Abendbrotzeit und heute war es auch mal ziemlich leer, aus den oben geschilderten Gründen. Einige Sportler, die auch nicht zur Eröffnungsfeier gehen durften zogen trotzdem ihre Einmarschkleidung an und dadurch war es alles ein bisschen stilvoller im Essenszelt. Wir haben unsere Einmarschsachen dieses Mal jedoch nicht angezogen… zur Abschlussfeier muss man sie dann ja anziehen und einmal reicht auch… danach suchten wir noch kurz nach einem Plätzchen um die Feier zu sehen aber im Stehen war keine Alternative und im Vorraum von unserem Hochhaus auch nicht, sodass wir recht zeitig im Bett waren…

Erstellt von Tim Grohmann am 08.08.2016 um 02:13 Uhr.


04.08.2016- Ersatzleuterennen

06:30 Uhr: Wecker klingeln im Olympischen Dorf und anschließendes kleines Frühstück im Essenszelt.

07:40 Uhr: Fahrt zur Strecke mit dem Shuttle.

09:00 Uhr: Zum Einrudern 6km Training und ein paar schnelle Schläge zum „munter“ werden. Anschließend noch schnell das Boot säubern, verwiegen und ein GPS- Tracker draufkleben lassen.

10:00 Uhr: Frühstück an der Strecke

11:00 Uhr: Fertigmachen zum Ersatzleuterennen aber vorerst zum Time- Trial. Ich wurde im Vorfeld häufig gefragt wie das abläuft und wer meine Gegner sind aber eine Auskunft konnte ich nicht geben, da ich nichts wusste.

11:30 Uhr: Start zum Time- Trial. Chaotische Bedingungen beim Vorstart, da die Informationsgebung bei den Volunteers wohl auch nicht gegeben war. So sollte ich z.B. als Startnummer 6 nach der Startnummer 2 an den Start gehen, obwohl die vier noch neben mir lag. Logische Konsequenz war natürlich, dass ich wieder zurückgeschickt wurde… Time Trial ist ein Test für schlechte Bedingungen, wo alle unter gleichen Bedingungen im Abstand von 30 sek gegeneinander fahren sollen, um Bahnbevorteilungen zu vermeiden. In der Praxis findet es keine Anwendung aber getestet wurde es schon ab und zu mal. Geplant war das „Rennen“ im normalen Trainingstempo zu fahren. Das machte ich auch und im Ziel wunderte ich mich über die Anzeigetafel und die anderen Zeiten. Ich wurde dort als 6. geführt und über mir war ein Strich, sodass ich schon dachte ich sei nun doch raus.

Danach habe ich kurz angelegt, um etwas zu trinken und die Beine kurz hochzulegen.

12:30 Uhr: Start zum Ersatzleuterennen. Das Time- Trial war Geschichte und interessierte nicht die Bohne. Am Start waren sechs Boote und die Volunteers waren wieder schlecht eingewiesen aber es war ja auch ein Test für die richtigen Wettkämpfe von daher war das ok. Mein Start war in Ordnung und somit fand ich mich an zweiter Position wieder, hinter einem Holländer und vor einem Schweizer. Diese Reihenfolge blieb bis nach der 1000m Marke so, als die Bedingungen langsam aber sicher schlecht wurden. Der Schweizer überholte mich und am Ende kam ich als Dritter ins Ziel. Das Rennen war aber in Ordnung und ich war einigermaßen zufrieden mit dem Ausgang.

14:00 Uhr: Fahrt zum Olympischen Dorf und anschließendes Mittagessen und Mittagspäuschen.

18:30 Uhr: Abendessen und Usain Bolt beim Essen bestaunen. Viele wollten ein Foto mit ihm und das war definitiv ein Spektakel, denn irgendwann wurde es ihm verständlicherweise zu viel und er ist geflüchtet. Wir verabschiedeten uns im Anschluss noch kurz ins Spielezelt und fielen einigermaßen geschafft ins Bett.

Erstellt von Tim Grohmann am 08.08.2016 um 02:12 Uhr.


03.08.2016

06:30 Uhr: Wecker klingeln. Zähne putzen und Sachen packen.

07:00 Uhr: Abmarsch zum schnellen Frühstück

07:40 Uhr: Nach langem Warten auf die Taschen wurde es fast noch eng mit dem Bus aber letztlich hat noch alles geklappt.

09:00 Uhr: Rudern! Heute mal wieder 16km. So viel bin ich definitiv schon lange nicht mehr gefahren und die Bedingungen waren leider gewohnt schlecht. Fürs Großboot mag es vielleicht noch gehen aber alle kleineren Boote als Vierer haben schon Probleme mit den Bedingungen, obwohl eigentlich gar nicht so viel Wind ist…

11:30 Uhr: Nach dem wir beim Frühstück abgewiesen wurden, da wir noch nicht 10:30 Uhr da waren, sondern erst 10:50 Uhr fuhren wir hungrig wieder zurück zum Dorf und irgendwie war es ausgerechnet heute auch noch extrem voll, sodass wir erst 13 Uhr im Dorf ankamen. Aber so gab es dann ein ausgiebiges Mittagessen und anschließend eine kurze Mittagsruhe bis…

16:40 Uhr: denn da war Treff zur offiziellen Willkommensfeier für einige Nationen inkl. Deutschland. Wir bekamen einen Tanz zu sehen vom Häuptling des Amazonas und seinem Volk und anschließend wurden die Vertreter aus Deutschland, Quatar, amerikanisch Samoa und Tschechien auf die Bühne gebeten und offiziell Willkommen geheißen. Wir seien nun offiziell in Brasilien angekommen und „was ihr Land ist, ist unser Land“, so der „Häuptling“. Im Anschluss wurden feierlich die Hymnen gespielt und danach gab es noch eine kurze Tanzeinlage und wir wurden in den Abend entlassen.

18:30 Uhr: Abendessen mit Superstar Usain Bolt. Wir gingen wieder gewohnt zeitig zum Essen, um den Massen aus dem Weg zu gehen. Das hätte wohl Usain Bolt auch machen sollen. Denn als wir schon eine Weile saßen kam die jamaikanische Mannschaft ins Zelt marschiert und allen voran Sprintstar Usain Bolt. Es dauerte vielleicht eine kleine Weile bis die Masse ihn auch erkannt hatte. Zumindest gab es nur vereinzelte Selfies mit ihm in der Essensschlange. Lauritz wollte uns nicht so richtig glauben und musste sich mal kurz neben ihn stellen, um zu sehen wie groß und stark er ist. Er kam schon einigermaßen beeindruckt wieder zurück. Auf dem Weg zu seinem Tisch hatten ihn dann auch schon viele entdeckt und um ein Foto gebeten. Hinter uns saßen vier australische Volleyballerinnen und waren ganz hin und weg. Irgendwann hatten sie sich dann überwunden und gingen voller Hoffnung zum essenden Bolt, bekamen jedoch einen Korb, weil erstmal essen wollte. Ein bisschen später kamen die deutschen Hockeyfrauen und er blieb auch bei ihnen nicht lange unentdeckt. Er war auch mittlerweile schon fertig mit essen und fünf Hockeys gingen nun zu ihm. Die Australier beobachteten alles aus der Entfernung, aber warteten offensichtlich nur auf ihre Gelegenheit.

Nach kurzem Warten bekamen die Hockeymädels ihr Foto und damit war das Eis gebrochen und überall erhoben sich Leistungssportler und gingen zielstrebig auf den Weltstar zu, um ihn um ein Foto zu bitten. Er ließ das auch eine Weile zu und als die Menge immer größer wurde, flüchtete er irgendwann zum Seitenausgang und wer bitte schön sollte den schnellsten Mann der Welt einholen???

20:00 Uhr: Noch eine kleine Runde Mario Kart und dann ging es auch schon wieder Richtung deutsches Hochhaus, um heute mal einigermaßen zeitig die Augen zu schließen…

Erstellt von Tim Grohmann am 08.08.2016 um 02:10 Uhr.